der heilige sozialmensch.

mir begegnete neulich im rahmen einer diskussion um ein kindergartengespräch in den kommententaren eine ähnliche anspruchshaltung gegenüber pädagogischem personal wie ich das auch schon aus meiener arbeit kenne. der sozialarbeitende mensch, ob lehrer, kindergärtner, sozialpädagoge oder ähnliches hat im umgang mit menschen stets freundlch, zuvorkommend, verständnisvoll und präsent zu sein. so lautet in der bevölkerung ein scheints ehernes gesetz und mit der ergreifung des berufs wird man zur einhaltung verpflichtet. tagesform, individueller charakter, persönliche befindlichkeiten, antipathien, sympathien zählt alles nicht – während das gegenüber gerne seiner jeweiligen tagesform, dem inviduellen charakter, der persönlichen befindlichkeit, der antipathie oder sympathie nachgehen kann und aus dieser haltung heraus sich auch gerne daneben benehmen darf – der sozialarbeitende mensch darf es nicht. wehe ein wort der unfreundlichkeit oder gar der rückmeldung über eventuell nicht adäquates verhalten seines gegenübers entweicht seinen lippen! – “klassisch beruf verfehlt!”

von kaum einem anderen berufsstand wird soviel überzogenes erwartet. kaum ein berufsstand muss sich so grenzenlos ständig von fachunkundigem menschen kritisieren lassen. und kaum ein berufsstand nimmt trotz all dieser schwierigkeiten soviel verantwortung auf sich.

kein mensch ist immer freundlich, keiner immer gleich wohlgesonnen, aufmerksam und empathisch. und selbst menschen in sozialen berufen, die vielleicht tatsächlich von haus aus wohlgesonnener, aufmerksamer und empathischer sind und gerade deswegen ihren beruf gewählt haben, sind es nicht immer.
auch wir sind manchmal genervt von den uns anvertrauten kindern, jugendlichen, von deren eltern, von behörden, strukturen und gesetzen denen wir folgen müssen und das oft nicht wollen. und ganz abgesehen davon, das alles für ein funzeliges minigehalt. wir sind menschen – die ausübung unseres berufes versetzt uns nicht automatisch in andere sphären, die uns immun gegen widrigkeiten, befindlichkeiten und angriffe machen.

also bei der nächsten unzufriedenheit mit pädagogischem personal einfach mal kurz innehalten, ansprüche überprüfen, nochmal nachdenken und dann erst handeln. klasse sache für alle beteiligten!

tadellos am 10. Februar 2012 um 14:56
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