Na, musstest du dich unterhalten?

fragte mich der Mann grinsend, nachdem es* im Urlaub das erste Mal passiert war. Dabei ist das Unterhalten an sich gar nicht das ginsenswerte, sondern die Tatsache, dass ich von einer Fremden angesprochen werde und die Tatsache, dass ich über einen längeren Zeitraum mit einer fremden Person geredet habe. Normalerweise nämlich umgibt mich eine ganz klare Aura von “sprich mich bloß nicht an” und bisher gab es für die wenigsten Menschen ein Durchkommen dort bzw. man sprach mich einfach schlichtweg nicht an. Der Mann unterhielt sich, die Mutter sowieso immerzu und ich hatte meine Ruhe. Versuchten es ein paar Aurablinde trotzdem, dann prallten sie gleich an der nächsten Aura ab. “Höchtens ein knapper Satz, mehr rede ich nicht.” Und warum das alles? Hmm? Meine Mutter sagt: “Das hast du von deinem Vater.”, ich hingegen glaube eher, dass fremde Menschen ein höchst unsicheres Terrain für mich sind. Ich kann sie einfach nicht einschätzen, also sind sie mir alle von vornherein erstmal subspekt bzw. halte ich mich auf Distanz. Es dauert immer eine gute Weile, bis meine Aura bröckelt und ich weicher werde. Und in diesem Urlaub war es so gänzlich anders. Der Mann meinte, es läge an meiner Aussstrahlung. Oder, um es mit meinen Worten zu sagen, meine “sprich mich nicht an” Aura ist auf einmal verschwunden und wo ich auch war, es* passierte immer wieder. Die Frau vor dem Schaufenster, die Frau am Strand, die Frau im kleinen Kruschkramladen, die Frau beim Kürbisschnitzzelt. Und so. Ein bemerkenswerter Schritt für mich. Ob ich wohl tatsächlich beginne, mehr mir selbst mit meinem “so wie ich bin” zu vertrauen? Ob ich mich wohl tatsächlich auf den Weg gemacht habe, auch mal ohne meine Antennen auszukommen? Es fühlt sich zumindest gut an, so wie es gerade ist.

* Eine Dänin spricht mich an, ich erkläre, dass ich kein Dänisch verstehe, sie schwenkt über auf Englisch oder Deutsch und wir unterhalten uns.

himmelblau am 26. Oktober 2011 um 08:48
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