sie.

das erste was mir an ihr auffiel war ihr lachen. während dem vorstellungsgespräch dachte ich ständig “das kann doch nicht wahr sein! die lacht ja ständig! ein sonnenscheinchen! kann die auch mal in ernst?” und war etwas skeptisch. ich war zwar beeindruckt von ihrer klarheit und ihrem selbstbewussten auftreten, aber als dunkler nachtschatten habe ich so meine probleme mit sonnenscheinchen. wie wurde ich eines besseren belehrt….

die erste zeit hörte sie gut zu und nahm viel auf. sie hatte die augen immer weit offen, sah arbeit (mein gott und wie sie arbeit immer noch sehen kann!), eine eigenschaft die viel zu wenig menschen haben. sie erledigte die dinge einfach so, manchmal war ich kurz vor dem verzweifeln und jammerte noch rum, da sagte sie nur ruhig “hab ich schon gemacht! schau mal!” und zog das zu tuende einfach schon fertig aus dem hut. sie wurde mir immer sympathischer, blieb mir aber dennoch fremd in ihrer art. oberflächlich betrachtet sind wir sehr unterschiedlich. ihre hingabe zu lila und rosanen sachen bleibt konkurrenzlos. ihre immer wieder ehrlich fröhliche art ist mir bis heute ein kleines wunder. manchmal sass ich am schreibtisch und beobachtete dieses wirbelnde ding, wie es sich durch die räume schwang, hier was und dort was erledigte, jeden kannte in diesem unternehmen und jedem ein gutes gefühl gab und fragte mich “was zum henker will die mit mir eigentlich anfangen!?” wir näherten uns und manchmal wüsste ich gerne genauer, was sie in dieser zeit vor gut einem jahr über mich dachte. ich vermute, es erging ihr sehr ähnlich.

es brach eine schwere zeit an im unternehmen und wir waren gefordert. als team mussten wir stärke zeigen, uns selbst stütze sein um andere zu stützen. wir hatten themen anzugehen, die wahrlich nicht leicht waren, mussten schwierige gespräche führen und immer, immer war sie an meiner seite. irgendwann wurde sie mein siamesischer arbeiszwilling, denn ich erkannte plötzlich, dass wir uns gar nicht so unähnlich waren, dass unsere herangehensweisen an die dinge sich sehr ähnelten. die unterschiede die blieben waren für mich so lehrreich, dass ich sie nicht missen möchte. je länger ich sie tag für tag um mich hatte, umso lieber gewann ich sie. ich kann mich an keine mittagspause erinnern, die wir nicht miteinander verbrachten. wir waren unzertrennlich und ich kann mich noch erinnern, dass mein mann uns irgendwann mal ermahnte, wir sollten zur besseren arbeitsteilung doch einfach auch mal getrennt termine wahrnehmen. wir nickten einsichtig und schafften glaube ich 3 termine getrennt voneinander. wir brauchten uns in dieser unruhigen zeit, manchmal glaube ich ich sie mehr als sie mich. sie sprach mir mut zu, tröstete mich und brachte mich zum lachen um dann gemeinsam wieder an die aufgaben zu gehen. ich weiss bis heute nicht, ob wir damals fehler gemacht haben, in manchen situationen anders hätten reagiern müssen aber ich weiß eines sicher – wir waren mit ganzem herzen dabei und haben unser bestes gegeben. und ohne sie, wäre alles schlimmer gewesen.

wenn ich an meinen abschied morgen denke dann denke ich daran, wie sehr sie mir fehlen wird und dass ich mir nicht vorstellen kann, noch einmal so gut mit jemandem zusammen arbeiten zu können. an diesem abschied macht mich nicht viel traurig, aber mich von ihr zu verabschieden lässt mich jetzt schon mal ein ströphchen heulen.

ich bin so dankbar, dass ich sie eine weile an meiner seite hatte, dass wir zusammen gelernt haben und an unseren aufgaben gewachsen sind. sie hat mir eine seite näher gebracht die lange brach lag und wenn ich in zukunft shampoos einkaufen gehe, dann wähle ich vielleicht nur noch nach farbe und nicht nach funktion. und kehrschaufeln mit rosa blümchen sind vielleicht auch nicht das verkehrteste. und schnickeldi kann ja auch mal spass machen. vielleicht bin ich ihr genau dafür am dankbarsten – das unaufdringliche vorleben meiner eigenen kleinen sehnsucht und der möglichkeit mich dieser ein bisschen zu nähern.

wenn ich morgen gehe dann weiss ich, dass alle werte und normen, die mir in meiner arbeit wichtig waren, bei ihr eine gute fortsetzung finden werden. und wenn ich ehrlich bin, wird sie den job besser machen, als ich ihn je gemacht habe. und das macht mich glücklich und stolz – glücklich, weil es gut weitergehen wird und stolz, einfach auf sie.

tadellos am 24. März 2011 um 07:38
eingeordnet unter Allgemein

keine Kommentare