et brodelt.

am freitag hatte ich supervision im rahmen meiner weiterbildung. und weil es selten ist, dass man 9 menschen und einen lehrtherapeuten zur verfügung hat, die einem mal eben die welt erklären können, habe ich mich selbst als fall eingebracht. ich berichtete von meiner schwierigkeit an meiner arbeitsstelle mit dem geschehenen klar zu kommen, meinen verzweifelten versuchen wieder zu ruhe und gelassenheit zu kommen und meinem problem mich irgendwie in dieses veränderte system wieder nahtlos einzufügen.

seit diese sache mit meinem mann dort passiert ist, habe ich schwierigkeiten, die geschehnisse zu verarbeiten. ich merke oft anflüge von wut oder trauer im arbeitsalltag, aber ich drücke sie jedesmal mit meiner anerzogenen “reiß dich zusammen und stell dich nicht so an!” haltung wieder weg. erst an hand der reaktion anderer, die mich fragen wie es mir mit der situation geht – oft mit bedauerndem, verständnisvollem blick – merke ich, dass ich da eigentlich gerade eine ziemlich schwere zeit durch mache. mir selber ist das vielleicht rational bewusst, emotional bin ich nicht in der lage das irgendwie einzuordnen. als hätte ich keinen maßstab für mein eigenes leid. was ist schon leid? ich finde irgendwie grundsätzlich, dass es genügend menschen gibt, die weitaus schwerere päckchen zu tragen haben – warum sollte also mein päckchen überhaupt einen stellenwert einnehmen?

nun ist es aber so, dass mir mein päckchen auf dauer probleme bereitet. ich bin unkonzentriert, ich bin fahrig, ich bin aggressiv, ich kann innerhalb von sekunden von null auf 100 rauschen, ich bin erschöpft, leer, ich verfalle in schreckliche grübelschlaufen und meine schlaftabletten funktionieren auch nicht mehr in der alten dosierung. ich steuer geschmeidisch auf eine erschöpfung zu, wenn ich nicht schon längst drin stecke.

als ich am freitag dann berichtete und rückmeldungen bekam und mir das system auf arbeit näher anschaute, kochte die wut plötzlich hoch. langsam erst, der kopf wollte nicht so recht mitziehn, und dann mit aller macht und es wurde eines ganz klar: innerhalb dieses systems ist für mich kein blumentopf zu holen. ich muss raus. wann? keine ahnung, ich muss ein bisschen auf meinen mann warten, bis er auf dem weg der besserung ist. ich muss im moment die familie stabil halten und mich selber auch erstmal orientieren. aber alleine das abrufen von stellenanzeigen gestern nachmittag war ein wunderbarer erster schritt in richtung besserung. ich muß mich diesem unternehmen nicht mehr verpflichtet fühlen, ich muss mich nicht aufribbeln. ich darf wütend sein, ich darf traurig sein. im grunde ein witz, dass man mir das nochmal so sagen muß: ich darf wütend sein, ich darf traurig sein.

und ich darf noch was – gespannt sein, wohin die berufliche reise geht.

tadellos am 31. Januar 2011 um 08:48
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