Weihnachtsmarkt im Nachbardorf. Ich schwanke zwischen Grusel und Fluchtgedanken. Dort stehen in kleinen Bretterverschlägen diese Menschen, die diese Dinge verkaufen, die es auch bei Daw.anda gibt und bei denen man sich dort schon immer fragt, wer diesen Unnützkram eigentlich kauft. Niemand anscheinend, denn diese Menschen stehen einsam hinter ihren mundgeklöppelten Taschentüchern und ihren serviettenbeklebten Tonglocken. Ich muss ganz heftig gegen mein Empathiegen ankämpfen, um nicht in Tränen auszubrechen und aus purem Mitleid etwas zu kaufen. Kurzzeitig versinke ich in einer unendlichen Traurigkeit, die aber spätestens an der Bude vom Wasauchimmerortsverein wieder vollkommen verschwunden ist. Dort stehen die, die eigentlich bei den Daw.andamenschen einkaufen müssten, schütteln kleine Küstenn.ebel Fläschenchen und singen dazu einen ominösen Kümm.erling Trinkspruch. In Dauerschleife. Die Kinder brauchen Waffeln und ich kurz einen Sitzplatz, um der liebsten Freundin eine SMS zu schicken. Am Glühweinstand steht der Weihnachtsmann und unterhält sich lautstark mit den Kumpels aus der Landjugend, die Freiwillige Feuerwehr verkauft selbstgebastelte Fotokalender und über den gesamten Platz ertönen deutsche Weihnachtsschlager, die sich auf seltsame Weise mit dem Klingglöckchen aus dem Nostalgiekinderkarussell mischen. Eine knappe dreiviertel Stunde sitze ich auf einem Fußbänkchen im Garderobenbereich des Kindergartens, und während das Kind im Turnraum die Geschichte vom einsamen Schneemann anschaut, lausche ich den Gesprächen anderer Eltern über Weihnachtsgeschenke, gestrickte Socken, Glühweinbestellungen, Fernsehkonsum und 40. Geburtstage. Hin und wieder lächle ich, sage oho und achja und rette mich mit weiteren SMSen an die liebste Freundin über die Zeit. Ich hab den ganzen Nachmittag sehr geduldig hingenommen, habe viel ein- und ausgeatmet und mir immer wieder den Zeitverbringdingnutzen einer solchen Veranstaltung ins Bewusstsein gerückt. Als jedoch das Kind mit roten Wangen aus dem Turnraum kommt und nach Pommes von den Rotkreuzlern verlangt, werde ich deutlich: Ich will nach Hause. Es reicht. Pommes mache ich dir zuhause.
himmelblau am 28. November 2010 um 10:11
eingeordnet unter Allgemein
keine Kommentare