gestern morgen trat ich aus der haustüre in den flur und sah die ski und skischuhe der besten nachbarin da stehen, fertig gepackt, bereit zum einsatz. die beste nachbarin der welt ist alleinlebend und ohne kinder. und ich komme nicht umhin, sie von zeit zu zeit heftigst darum zu beneiden. sie ist wie ein vogel, sie kommt und geht wie ihr lustig ist. nichts muss sie machen. alles kann sie machen. es gibt keine überlegungen im sinne von “kann ich das jetzt machen? oder sollte ich nicht eher?” sorge trägt sie alleine für sich.
gestern las ich in einem blog, man könne nicht verstehen wie frauen mit babys so schnell wieder mal was alleine unternehmen wollen. allein der formulierte gedanke, man selber bräuchte das nicht “mal wieder nur was für mich zu tun” - trieb mir den schweiß auf die stirn. am liebsten hätte man tag und nach das kind auf seinem körper, dazu sei man schließlich da als mutter.
autonomie und bindung.
ich liebe meine kinder, ich liebe meinen mann, aber es gibt zeiten, da möchte ich gerne alle drei auf den mond schießen und alleine losziehen. ich möchte weggehen können wann ich will, ich möchte ausschlafen bis wann ich will, ich möchte skifahren gehen, ich möchte skitouren ausprobieren, ich möchte in die berge und auf hütten übernachten, ich möchte sagen können “oh, ok. bleib ich halt noch einen tag länger.” ich möchte joggen wann ich will, ich möchte glotzen was ich will, ich möchte essen wann ich will, ich möchte stund um stund planlos vertrödeln, ich möchte “fuck” brüllen können wann ich will, ich möchte drei stunden im bad verbringen, ich möchte nichts planen müssen, keine rücksicht nehmen müssen, keine weiteren meinungen einholen müssen – ich möchte. ich möchte. ich möchte.
ich habe viel freiraum. ich bin relativ oft weg, auch übers wochenende. mein mann kennt das und er lässt es mir, wo es ihm möglich ist. wenn ich das ganze möchten zusammenschnurre auf ein einziges möchten dann ist es wohl das: ich möchte einfach nicht ständig meine bedürfnisse an den bedürfnissen anderer ausrichten. ich bin dafür nicht gemacht, für diesen selbstlosen mutterquatsch. für dieses aufgeopfere, das anpassen, das zurückstecken. es macht mich krank, unausgeglichen und unzufrieden. und so sehr ich mich davon distanziere, so sehr stehe ich mich befremdeten staunen vor den frauen, die das schaffen. mein kampf wird immer der um autonomie sein – wie mit einem gummiband meinen drei anderen menschen vebunden, dehne und stretche ich das band fast bis zum zerreißen um dann doch immer wieder zurückzufatschen und von neuem loszulegen. mich kostet das kraft, aber ich komme nicht drum herum -
autonomie und bindung.
tadellos am 29. Oktober 2010 um 09:09
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himmelblau
am 29. Oktober 2010 um 12:21Auch wenn ich das so in dem Maße, wie du das für dich beschreibst, aus der Zeit, als meine Kinder so klein waren wie deine, nicht so extrem kenne, kann ich den Beitrag doch vollkommen unterschreiben.
Ich spüre das jetzt, wo die Bedürfnislage der Kinder immer weniger an mich gekoppelt ist, dass ich das extremst genieße und (wieder-)entdecke. Es ist wie ein Aufatmen nach langer Zeit. Freiräume entstehen plötzlich und ich nehme diese mit jeder Faser auf. Und ich fordere sie auch immer wieder für mich ein. In einem dem Kind angemessenen Rahmen, aber dennoch sehr klar und deutlich. So sage ich zum kleinen Kind: “Ich war jetzt eine Stunde mit dir mit dem Fahrrad draußen, jetzt möchte ich bitte eine Mail schreiben, ohne, dass du mich störst.” So sage ich zu den Großen: “Das Abendbrot ist im Backofen, deckt euch den Tisch, macht es euch gemütlich, guten Appetit und dann irgendwann eine gute Nacht, ich möchte jetzt für 2 Stunden und 7 Minuten mit der tadellosen Freundin telefonieren.”
Es kommt immer mehr und da ich davon ausgehe, dass ihr nicht noch ein Kind hinterherschieben werdet, werdet ihr auch viel früher als wir in den Genuss kommen.
Und, ich bin der festen Überzeugung, dass es deinen und meinen Kindern mit einer Ausgewogenheit von Autonomie und Bindung ganz ausvorzüglich geht.
tadellos
am 29. Oktober 2010 um 13:52zwei stunden und 7 minuten!? ich glaube, das ist rekord.
(kein drittes. nie im leben nicht.)
himmelblau
am 29. Oktober 2010 um 16:13Und meine Ohrknörpelchen taten mir hinterher richtig weh.
(Ohohoh, sag niemals nie. Und vor allem: tu was dagegen!!:)