ich habe mich vor ein paar tagen mit einer kollegin über einen artikel unterhalten, den sie in der cosmopolitan gelesen hatte. es ging darin um die unterschiede von weiblichen und männlichen kommunikationsstilen. das ist sehr spannend, denn die grundannahme des artikel ist die, dass frauen in der arbeitswelt viel zu weich kommunizieren, weil ihnen ihre anerzogenen höflichkeit im weg steht. der im text zitierte coach nennt daher sein training auch “arroganztraining”.
als die kollegin von diesem artikel erzählte, waren wir ganz uffjerescht und alberten im büro rum, wie wir in zukunft mit eher schwierigen männlichen kollegen kommunizieren wollen. wir dachten uns situationen aus und unsere reaktion darauf. und etwas merkwürdiges passierte – wir fühlten uns unglaublich erleichtert. mal so was rauszuschmettern wie “beende jetzt das telefonat, ich bin hier und will die sitzung beginnen!” ohne bitte ohne danke ohne möchte ohne weil einfach etwas zu verlangen – das hat uns selbst in der noch unsicheren kasperei unglaublich gepusht, auch wenn es anlauf brauchte: der satz “das kann man doch nicht sagen!” , der fiel zu beginn öfter.
es war ganz stark zu spüren, wie sehr uns unsere weibliche höflichkeit zurückhält und einschränkt um klipp und klar zu sagen, was man will. nun bin ich in der arbeit mit meinen mitarbeitern realtiv klar. aber immer nur bis zu dem punkt, an dem es konfliktig wird. ab da eier ich. es ist nicht so, dass ich den konflikten aus dem weg gehe. es ist auch nicht so, dass ich angst vor ihnen habe – aber die klarheit, die ich sonst in meinen anweisungen habe verschwindet plötzlich. meine positionen verpacke ich in einen kuschlig weichen kokon aus bittedankeichmöchtedasweilwäreesmöglichdaswärsschönachwenndasvielleichtnochginge - gerne auch immer noch mit einer extra lage rechtfertigungssuperflausch. und oft gehe ich aus diesen gesprächen mit einem gefühl, nicht wirklich das gesagt zu haben was ich wollte. und merke dann auch recht schnell in der folge, dass es tatsächlich nicht angekommen ist – es läuft nämlich alles weiter wie bisher. dann ärgere ich mich und denke mir “himmel nochmal, das habe ich doch schon 100x gesagt, dass die das so oder so machen sollen!” und führe gleich nochmal ein weichspülergespräch.
nun hatte ich heute ein wirklich schwieriges teamgespräch und es war klar, dass ich diesmal definitiv kein weichspülergespräch führen kann. also habe ich mir für heute mal vorgenommen, mich nicht zu rechtfertigen, keinmal bitte zu sagen und statt “ich möchte” “ich will”. die reaktion war überwältigend. ehrlich. ich kam mir zwar vor wie der superarsch, aber so genau zugehört wie heute hat mir in diesem team noch niemand. und ich selber habe gemerkt, dass das was ich sage und die position die ich zu diesem oder jenem thema habe, endlich überein gingen. ich war völlig authentisch in meiner wut und in meiner ansage, was ich erwarte und was sich ändern muss. zweimal bin ich feuerrot geworden, weil ich über mich selbst erschrocken bin – an der performance muss ich halt noch arbeiten……
und eine der wichtigsten erkenntnisse war die: klarheit und direktheit ohne schnörkelei bedeutet nicht automatisch unfreundlichkeit oder unhöflichkeit. das geht alles wunderbar unter einen hut.
sapperlot, der wahnsinn. echt ma. man lernt nie aus.
tadellos am 23. September 2010 um 13:06
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