culture clash.

früher war kaltenberg ein ziemlich rollenspieler durchdrungenes event. bezopfte männer in ritterkluft, die an den restlichen tagen des jahres irgendwo in der edv branche arbeiten und abends wahrscheinlich wow zocken. frauen im leinengewand von denen ich im real life überhaupt kein bild habe. ein lustiges, obwohl mir fremdes, völkchen. ich konnte sie selten in ihrem tun verstehen, solche art von freizeitbeschäftigung liegt mir eher fern, ich zocke abends lieber wow und schlüpfe in die rolle irgendwelcher betörender gnomendamen und schleiche schurkisch oder feuerblitze durch die gegend zischend durch die gegend…..ok. äh. also vielleicht habe ich doch eine gewisse affinität zur bevölkerungsgruppe die mittelaltermärkte aufmischt. wie dem auch sei: bisher fand ich das immer spannend zu beobachten, aber ein rest skepsis und fremdheit blieb.

heute waren wir wieder in kaltenberg und zu meinem entsetzen musste ich feststellen, dass sich zu den durchgeknallten barbaren und rittern und gothicverschnittenen burgfräuleins eine weitaus erschreckendere gruppe hinzugesellt hat: die, der münchner akademikerfamilien um die vierzig, mit ein bis drei kindern, alle in rosa oder hellblauen ralph lauren polostehkragenshirts in kombi mit 7 for all mankind jeans gewandet und mit diesen lederschühchen mit schnürung, die ich noch aus den 80ern kenne…..es ist ein grauen.

und kaum sah ich die erste familie mit ihrem fetten bmw x6 vorfahren, die kinder, die ausschliesslich maximilian, konstantin oder malte heissen oder auch laetizia oder mia oder lia oder sonst was iaiges, sich über den dreck beschwerend und nölend am ersten verkaufsstand die komplett ritterrüstung aus kalbsleder für 200 euro verlangend – da war mir auf einmal klar, was diesen mikrokosmos mittelaltermarkt ausmacht: individualität, rauhheit und der große wunsch die alltagsübliche konformität einfach mal hinter sich zu lassen.
und DIESEN wunsch, den kann ich nachvollziehen. aus ganz anderen gründen und mit anderen auswirkungen, aber er ist da, ganz tief in mir und er macht mir die ganzen finstren ritter, langhaarigen barbaren und leinengewandeten burgfräuleins sehr sympathisch.

tadellos am 25. Juli 2010 um 22:05
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